|
Johannisbeeren

Die Johannisbeeren (Ribes) sind eine Pflanzengattung; auch die Stachelbeere wird dieser Gattung zugerechnet. Heutzutage ist Ribes wohl die einzige Gattung in der Familie der Stachelbeergewächse (Grossulariaceae). Früher wurde sie auch der Familie der Steinbrechgewächse (Saxifragaceae) zugerechnet. Hauptverbreitungsgebiet sind die gemäßigten Klimagebiete der Nordhalbkugel, aber auch in den Anden gibt es einige Arten.
Namensgebung
Die Johannisbeeren werden in Österreich auch Ribisel, in Schwaben Träuble, in der Schweiz Meertrübeli genannt. Ausgehend vom Französischen, wird die Schwarze Johannisbeere auch Cassis genannt. Namensgeber für diese Beerenobstgattung ist der Johannistag (24.6.), um den herum die ersten Sorten reif werden. Herkunftsland ist Schweden.
Beschreibung
Bei den Ribes-Arten und -Sorten handelt es sich um sommergrüne Sträucher, die Wuchshöhen von 1 bis 1,5 Meter erreichen. Die wechselständig bis spiral an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind gestielt, einfach, oft drei- bis fünffach gelappt; auffällig ist ihr Geruch. Nebenblätter sind vorhanden oder fehlen.
Der Blütenstand ist eine oft vielblütige Traube. Die Blüten sind zwittrig oder eingeschlechtig; wenn die Blüten eingeschlechtig sind dann sind die Pflanzen zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Die Blüten sind vier- oder fünfzählig. Es ist nur ein Kreis mit fünf fertilen Staubblättern vorhanden. Zwei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen. Sie haben eine Blütezeit von April bis Mai. Die Blüten werden von Insekten bestäubt (Entomophilie). Die saftigen Beeren enthalten 20 bis 100 Samen. Ribes zählt zu den Kosmopoliten in der Vegetationskunde, da sie weltweite Verbreitung findet.
Nutzung
Beerenobst
Johannisbeeren werden unterteilt in: Schwarze Johannisbeere (R. nigrum), Rote Johannisbeere (R. rubrum) und Weiße Johannisbeere (Selektionen aus R. rubrum).
Eine Kreuzung zwischen schwarzer Johannisbeere mit der Stachelbeere ist die „Jochelbeere“. Für diese Hybride hat sich das Synonym „Jostabeere“ eingebürgert, wobei „Josta“ eigentlich eine Sorte ist.
Anbau
Johannisbeeren können als Busch, als Hecke oder Spindel gezogen werden. Im Intensivobstbau werden rote und weiße Johannisbeeren nur mehr als Hecke oder Spindel kultiviert, schwarze Johannisbeeren können aufgrund anderer Wuchseigenschaften nur als Busch gezogen werden.
Der Standort sollte nicht zu schattig sein und keine stauende Nässe aufweisen. Grundsätzlich ist die Johannisbeere eine robuste Obstart, die verhältnismäßig geringe Ansprüche an den Boden stellt. Um einen guten Wuchs sicherzustellen, sollten Johannisbeeren besonders in den ersten Jahren mit ausgiebig Stickstoff gedüngt werden. Im Vollertrag darf zur Blütezeit kein freier Stickstoff vorhanden sein, um das Ausrieseln der Beeren zu verhindern.
Ein gesunder Johannisbeerstrauch wird durchschnittlich 15 Jahre alt. In dieser Zeit bringt er 55 kg Beeren, 60 kg Holz und 15 kg Laub hervor.
Parfümherstellung
Die Blüten der schwarzen Johannisbeere werden zur Parfümherstellung verwendet.
Zierpflanze
Einige Arten und Sorten sind Zierpflanzen in Parks und Gärten, sie werden sowohl einzeln als auch als Hecke gepflanzt, einige Beispiele:
* Die Blut-Johannisbeere (Ribes sanguineum), hat blutrote Blüten, herzförmige Blätter und blaubereifte Früchte. Auch die *Gold-Johannisbeere (R. odoratum) wird wegen ihrer gelben Blüten als Zierstrauch gepflanzt. Blut- und Goldjohannisbeere stammen aus Nordamerika.
* Die Alpen-Johannisbeere (R. alpinum) (mit roten fade schmeckenden Früchten) wird als anspruchslose und robuste Heckenpflanze verwendet. Sie eignet sich auch als Unterpflanzung für hohe Hecken, da sie schattentolerant ist.
Schädlinge und Krankheiten der Johannisbeere
Johannisbeere in der Blüte
Johannisbeeren werden unter anderem von Blattläusen, Gallmilben sowie den Afterraupen der Stachelbeerwespe bzw. den Raupen des Stachelbeerspanners befallen. Johannisbeer-Gallmilben leben und brüten im Inneren der Knospen. Die Knospen schwellen dadurch auf ein Mehrfaches ihrer normalen Wintergröße an (Rundknospen). Stark befallene Triebe sollten abgeschnitten werden. Bei mäßigem Befall helfen mehrmalige Behandlungen mit Schwefelpräparaten oder zugelassenen Akariziden zwischen Austrieb und Blüte.
Ein weiterer wichtiger Schädling ist der Johannisbeerglasflügler. Dessen Larven bohren sich in Schnittwunden ein und überwintern im Holz. Die Bekämpfung ist deshalb schwierig, da sich der Johannisbeerglasflügler über einen langen Zeitraum fortpflanzt.
Die Hauptkrankheiten bei Johannisbeeren sind der Echte Mehltau (v.a. bei schwarzen Johannisbeeren) und die Blattfallkrankheit, welche zu einer vollständigen Entlaubung des Strauches führen kann.
Fruchtstände der Schwarzen Johannisbeere.
Weiße Johannisbeere
Arten (Auswahl)
In der Gattung Ribes gibt es etwa 150 Arten:
* Alpenjohannisbeere (Ribes alpinum), Europa, Nordasien und Nordafrika
* Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum), Europa
* Gold-Johannisbeere (Ribes odoratum) oder Ribes aureum, Nordamerika
* Felsen-Johannisbeere (Ribes petraeum Wulf.)
* Rote Johannisbeere (Ribes rubrum), Europa
* Blut-Johannisbeere (Ribes sanguineum), Nordamerika
* Stachelbeere (Ribes uva-crispa), Europa
* Jostabeere (Ribes × nidigrolaria), Josta- oder Jochelbeere, ist eine Kreuzung aus Schwarzer Johannisbeere und Stachelbeere.
Johannisbeersorten
* 'Jonkheer van Tets': rot, frühreifend, verrieselt stark, fruchtet am kurzen Holz, mittellange Trauben mit großen Beeren
* 'Rovada': Hauptsorte, rot, reift mittelspät, lange Trauben mit mittelgroßen Beeren, fruchtet am langen Holz, verrieselt wenig, gut lagerbar
* 'Blanca': weiß, lange kompakte Trauben mit mittelgroßen Beeren, reift mittel bis spät
* 'Titania': schwarz, Hauptsorte für die Verarbeitung, große Erträge, mehltauresistent, kurzer Traubenstiel daher für die Produktion von Tafelobst nicht geeignet
* 'Tsema': schwarz, lange schöne Trauben mit langem Stiel, mehltauanfällig
|