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Erdbeeren

Garten-Erdbeere
(Fragaria × ananassa)
Systematik
Klasse: Dreifurchenpollen-
Zweikeimblättrige (Rosopsida)
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Rosoideae
Gattung: Erdbeeren
Wissenschaftlicher Name
Fragaria
L.
Eine Erdbeerfrucht
Eine Erdbeerfrucht
Die Erdbeeren (Fragaria) sind eine Gattung in der
Unterfamilie der Rosoideae innerhalb der Familie der
Rosengewächse (Rosaceae). Sie spielen schon seit der
Steinzeit eine Rolle in der menschlichen Ernährung,
erst mit der Einführung von amerikanischen Arten im
18. Jahrhundert entwickelte sich jedoch die
Gartenerdbeere. Entgegen ihrem Namen zählt die
Erdbeere aus botanischer Sicht nicht zu den Beeren,
sondern zu den Sammelnussfrüchten. Es gibt ungefähr
20 Arten, die meisten in den gemäßigten Zonen der
Nordhalbkugel sowie eine Art in Chile (F. chiloensis).
Insgesamt wurden mittlerweile über 1000 verschiedene
Sorten gezüchtet.
Inhaltsverzeichnis
Beschreibung
Erdbeeren sind mehrjährige krautige Pflanzen, meist
sind sie weich oder seidig behaart, mit dickem,
schwach holzigem, fadenförmige Ausläufer treibendem,
„Wurzelstock“. Die Ausläufer bewurzeln sich und
bilden neue Rosetten aus (sogenannte Blastochorie).
Die grundständigen, langgestielten Laubblätter sind
meist dreiteilig, seltener fünfteilig. Die
Nebenblätter sind an der Basis des Blattstiel
angewachsen.
Erdbeeren tragen weiße, selten gelbliche Blüten, die
nach dem Ende der Kälteperiode erscheinen. Sie
stehen meist zu mehreren in Trugdolden an der Spitze
des aufrechten, armblätterigen Schaftes. Der
Blütenbecher trägt fünf Kelchblätter und fünf
rundliche Kronblätter. Zwischen den eigentlichen
Kelchblättern stehen fünf weitere, kleinere (Epicalyx).
Auf dem aufgewölbten Blütenboden sitzen zahlreiche
freie Fruchtblätter.
Bei der Reife bildet der Blütenboden eine saftig
fleischige Scheinbeere. Die eigentlichen Früchte der
Erdbeere sind die kleinen gelben Nüsschen an der
Oberfläche. Tiere, die die Erdbeerfrucht essen,
scheiden die kleinen hartschaligen Nüsschen, die
sich auf dem Fruchtfleisch befinden, wieder aus, so
dass die Nüsschen, soweit sie geeignete
Standortbedingungen vorfinden – keimen können (so
genannte Endochorie). In Europa sind es Säugetiere
wie Rotfuchs, Dachs, Igel, Rötelmaus und
Siebenschläfer; Vögel wie Amsel, Hausrotschwanz,
Rotkehlchen, Mönchsgrasmücke und Wirbellose wie
Weinbergschnecke, einige Käferarten und Tausendfüßer,
die von den Früchten angelockt werden. Sie sind
damit an ihrer Verbreitung beteiligt. Ameisen
schleppen die Früchte sogar in ihre Baue, verfüttern
an ihre Larven das Fruchtfleisch und tragen
anschließend die verbliebenen Nüsschen wieder weg.
Die Erdbeere benutzt allerdings nicht nur die
Endochorie als Ausbreitungsmechanismus. Früchte, die
an den Stängeln verbleiben, vertrocknen nach einiger
Zeit. Die Nüsschen fallen dabei herab. Diesen
Mechanismus bezeichnet man als Barochorie.
Arten
Erdbeerblüte
Reife Erdbeere
Die Gattung Fragaria besteht aus den folgenden Arten
und Hybriden. Der einfache Chromosomensatz besteht
bei allen Erdbeerarten aus 7 Chromosomen. Es kommen
Arten und Hybriden mit doppeltem (diploid),
vierfachem (tetraploid), sechsfachem (hexaploid),
achtfachem (oktoploid) und zehnfachem (dekaploid)
Chromosomensatz vor.
* Fragaria chiloensis, Chile-Erdbeere, oktoploid,
nord- und südamerikanische Pazifikküste, Hawaii
* Fragaria daltoniana, diploid, Himalaya
* Fragaria iinumae, diploid, Japan und Ost-Russland
* Fragaria iturupensis, oktoploid, nur auf der Insel
Iturup (Kurilen)
* Fragaria moupinensis, tetraploid, China
* Fragaria moschata, Moschus-Erdbeere, hexaploid,
Europa
* Fragaria nilgerrensis, diploid, Südost-Asien
* Fragaria nipponica, diploid, Honshu und Yakushima
(Japan)
* Fragaria nubicola, diploid, Himalaya
* Fragaria orientalis, tetraploid, China
* Fragaria vesca, Walderdbeere, diploid, Europa,
Nordasien und Nordamerika
* Fragaria virginiana, Scharlach-Erdbeere, oktoploid,
Nordamerika
* Fragaria viridis, Knackelbeere, diploid, Europa
und Mittelasien
* Fragaria yezoensis, diploid, Hokkaido, Kurilen und
Sachalin
* Fragaria ×ananassa, Gartenerdbeere, oktoploid,
Hybrid aus Chile- und Scharlach-Erdbeere
* Fragaria ×vescana, dekaploid, Hybrid aus Garten-
und Walderdbeere
Kulturgeschichte
„Der Erdbeerkorb“ (1760-61) von Jean-Baptiste Siméon
Chardin
Aus archäologischen Funden kann man schließen, dass
die Erdbeere schon in der Steinzeit bekannt war. In
der Antike wurde sie „frega“ oder „fregum“ genannt.
Aus dem Mittelalter sind große Flächen, auf denen
die kleinen Walderdbeeren (Fragaria vesca)
kultiviert wurden, erwiesen. Auch Methoden,
Erdbeeren früher oder später heranreifen zu lassen,
waren schon entwickelt. Lediglich die Größe der
Frucht konnte man nicht beeinflussen. Erst in der
Neuen Welt fanden französische Siedler entlang des
Sankt-Lorenz-Stroms eine größerfruchtige wilde Art.
Diese wurde im 18. Jahrhundert nach Europa als
amerikanische Scharlach-Erdbeere eingeführt und
zunächst vor allem in Botanischen Gärten kultiviert.
1714 entdeckte der Botaniker Amedee Francois Frezier
die Chile-Erdbeere, die ledrig-starre und blaugrüne
Blätter hatte und die vor allem sehr große Früchte
aufwies. Chile-Erdbeeren weisen dabei die
Besonderheit auf, dass sie zweihäusig sind, d. h. es
gibt rein männlich blühende Pflanzen und rein
weiblich blühende.
Um 1750 entstanden durch Kreuzungen der
verschiedenen Wildformen in Holland die sogenannte
Ananas-Erdbeere (Fragaria ananassa), die in
Deutschland handelsübliche, großfruchtige Erdbeere,
die aus wiederholten, zufälligen Kreuzungen der
kleinen Scharlacherdbeere aus Amerika (Fragaria
virginia) mit der großfruchtigen Chileerdbeere (Fragaria
chiloensis) vor dem 19. Jahrhundert entstand – die
Stammart unserer Gartenerdbeere.
Erdbeeren sind pflückreif und genießbar, wenn
mindestens zwei Drittel der Fruchtoberfläche rot
gefärbt ist. Ihr voller Geschmack entwickelt sich
jedoch nur, wenn sie ausgereift gepflückt werden. Zu
einer Nachreife kommt es bei Erdbeeren nicht mehr.
Eine große Rolle spielen Erdbeeren bei der
Herstellung von Marmeladen. Zu den klassischen
Kombinationen gehören Süßspeisen, bei denen
Rhabarber und Erdbeeren gemeinsam verarbeitet werden.
Auch Bananen und Erdbeeren ergänzen sich
geschmacklich. Besonders gut zur Geltung kommt der
Geschmack der Erdbeeren, wenn die Frucht vor dem
Verzehr mit ein wenig Balsamico-Essig benetzt wird.
Eine klassische Genussform ist auch der
Erdbeerkuchen.
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